Künstliche Intelligenz, humanoide Roboter und der Wandel der Arbeitswelt – das klingt nach Science-Fiction, ist aber längst Realität. In der neuen Folge meines Podcasts „Generation Z Talk“ spreche ich mit Dr. Philipp Reisinger, Zukunftsforscher und Future Manager bei der Future Management Group, über nichts Geringeres als die Frage: Wie sieht unsere Arbeit in 10 oder 20 Jahren aus – und was bleibt für uns Menschen übrig?
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KI ersetzt nicht – sie transformiert
Dr. Reisinger macht eine klare Ansage: „Du wirst nicht gefeuert, weil KI dich ersetzt – sondern weil du sie nicht nutzt.“
Dieser Satz bringt auf den Punkt, was viele noch nicht wahrhaben wollen: Künstliche Intelligenz ist nicht der Feind des Menschen. Sie ist ein Werkzeug. Doch wie bei jedem Werkzeug gilt: Wer es nicht beherrscht, bleibt zurück.
Er erklärt, dass die Unternehmen, die KI und Automatisierung frühzeitig in ihre Prozesse integrieren, einen klaren Vorteil haben werden. Aber es ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Haltung: Menschen mit einem Learning Mindset – also der Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen – werden langfristig erfolgreicher sein als diejenigen, die am Status quo festhalten.
Roboter im Wald? Kein Witz.
Was früher nach Hollywood klang, wird heute zur Wirklichkeit: Humanoide Roboter, die in komplexem Terrain wie Wäldern oder auf Baustellen Aufgaben übernehmen. Dr. Reisinger beschreibt eindrucksvoll, wie diese Roboter Bewegungsprofile erlernen, sich an ihre Umgebung anpassen und zunehmend Aufgaben übernehmen, für die bisher menschliche Muskelkraft gebraucht wurde.
Industriegiganten wie Tesla, BMW oder Mercedes-Benz setzen bereits heute humanoide Roboter testweise ein. Die chinesische Industrie plant sogar, bis 2027 den Weltmarkt mit solchen Maschinen zu dominieren. Damit könnte der Roboter bald genauso selbstverständlich zum Arbeitsalltag gehören wie der Laptop oder das Smartphone.
40 % der heutigen Berufe werden verschwinden
Eine der wohl eindrucksvollsten Aussagen von Dr. Reisinger ist: „Bis 2030 werden 35 bis 40 % der heutigen Mittelstandsberufe nicht mehr in ihrer jetzigen Form existieren.“
Das heißt nicht, dass Millionen Menschen arbeitslos sein werden. Vielmehr werden sich Berufsbilder massiv transformieren. Was heute ein Verwaltungsjob ist, wird morgen vielleicht ein Job sein, bei dem man KI-Systeme trainiert, steuert oder überwacht.
Besonders betroffen sind laut Reisinger vor allem repetitive Aufgaben und klassische „White Collar Jobs“ – also Bürojobs, die auf Routineprozessen basieren. Durch KI-Systeme wie generative Sprachmodelle oder digitale Agenten können viele dieser Tätigkeiten deutlich effizienter erledigt werden.
Gleichzeitig entstehen neue Berufsfelder, für die es heute noch nicht einmal Namen gibt.
Beispiele könnten sein:
- KI-Trainingskoordinator*in
- Mensch-Maschine-Interaktionsdesigner*in
- Virtuelle Raumgestalter*in für das Metaverse
- Bio-Daten-Coach oder DNA-Personalberater*in
Prompt Engineering ist kein neuer Beruf – sondern gesunder Menschenverstand
Interessant ist auch Reisingers kritische Sicht auf sogenannte „Prompt Engineers“. Seiner Meinung nach sei Prompt Engineering nichts weiter als strukturiertes Denken und logisches Formulieren von Anweisungen – etwas, das in vielen Berufen ohnehin Alltag ist.
„Ein CEO, eine Lehrkraft oder ein Projektmanager „promptet“ jeden Tag – ohne es so zu nennen,“ sagt er. Auch hier zeigt sich: Es geht nicht um das Tool, sondern um die Kompetenz, es sinnvoll einzusetzen.
Was wir jetzt brauchen: Lernkompetenz, Resilienz und Ambiguitätstoleranz
In einer Welt, in der sich Technologien im Wochentakt weiterentwickeln, brauchen wir laut Dr. Reisinger vor allem drei Dinge:
- Kognitive Agilität – die Fähigkeit, schnell Neues zu lernen und ebenso schnell Altes loszulassen
- Resilienz – also psychische Widerstandskraft in einer Zeit permanenter Veränderung
- Ambiguitätstoleranz – die Kunst, Widersprüche auszuhalten und mit Unsicherheit umgehen zu können
Gerade Letzteres ist für viele eine Herausforderung. Unsere Welt ist komplexer denn je. Oft gibt es kein klares Richtig oder Falsch, sondern nur situative Lösungen. Wer sich in dieser Ambivalenz zurechtfindet, hat in der neuen Arbeitswelt einen echten Vorteil.
Die Generation Beta: Aufwachsen mit KI und Chips?
Spannend wird es, wenn Reisinger einen Ausblick auf die neugeborene Generation Beta gibt. Diese Kinder werden laut ihm als erste Generation von Anfang an mit KI aufwachsen – und möglicherweise sogar mit implantierten Chips, personalisierten Bots und einem Alltag, der vollautomatisiert ist.
Für sie wird der Umgang mit KI so normal sein wie für uns der Umgang mit Google oder Social Media. Gleichzeitig wird diese Generation mit massiven Umweltherausforderungen und globalen Migrationsbewegungen konfrontiert sein. Auch das wird Auswirkungen auf ihre Berufswahl, ihre Lebensentwürfe und ihre psychische Belastbarkeit haben.
Wird KI den Fachkräftemangel lösen?
Die große Frage am Ende: Wenn so viele Jobs durch KI effizienter werden – brauchen wir dann überhaupt noch so viele Arbeitskräfte?
Dr. Reisingers Antwort ist differenziert: Ja, viele klassische Berufsfelder werden kleiner oder verschwinden ganz. Aber gleichzeitig entstehen neue Nischen, in denen Menschen gefragt sind. Gerade dort, wo Empathie, Kreativität, Feingefühl oder kulturelles Wissen gebraucht wird, werden Menschen weiter unersetzbar sein.
Zudem wird KI auch helfen, komplexe Systeme überhaupt steuerbar zu machen – sei es in der Politik, in der Wissenschaft oder im Umweltschutz. Und auch das braucht menschliche Intelligenz, Koordination und Verantwortung.
Zusammenfassung: Die Zukunft ist nicht menscheitsfeindlich – aber fordernd
Das Gespräch mit Dr. Philipp Reisinger zeigt eindrucksvoll: Wir stehen vor einer massiven Transformation der Arbeitswelt. Aber es ist keine Dystopie – sondern eine riesige Chance. Wer bereit ist, zu lernen, sich weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen, wird in dieser neuen Welt seinen Platz finden.
🎧 Hier kannst du die komplette Folge anhören:
👉 Roboter übernehmen – was bleibt für uns?
Hier kannst du außerdem das Interview bei YouTube ansehen:
Mehr Infos zu Dr. Reisinger findest du übrigens hier
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