PISA 2025 Deutschland: Ergebnisse, Ursachen und was jetzt helfen würde
PISA 2025: Deutschland erreicht neue Tiefstwerte in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Eine Einordnung zu Ursachen, Smartphone, Social Media, Lehrkräftemangel und Lösungen.
Die Schlagzeilen sind eindeutig: Deutschlands PISA-Werte sind so schlecht wie noch nie. Schnell folgt die vertraute Erzählung: Smartphones, TikTok, sinkende Leistungsbereitschaft – und eine junge Generation, die angeblich nichts mehr kann.
Diese Erklärung ist zu einfach. Und sie wird den Jugendlichen nicht gerecht.
PISA misst nicht den Wert einer Generation. Die Studie zeigt vielmehr, unter welchen Bedingungen junge Menschen heute lernen: in Schulen mit Personalmangel, unter hohem sozialem Druck, in einer digitalen Aufmerksamkeitsökonomie und mit sehr unterschiedlichen Startchancen.
In meinem Podcast Generation Z Talk ordne ich die aktuellen Ergebnisse ausführlich ein. Den Podcast-Link kannst du hier einfügen:
Hier zum Podcast: PISA 2025 – Ist Deutschlands Jugend wirklich schlechter geworden?
PISA steht für Programme for International Student Assessment. Die internationale Vergleichsstudie wird von der OECD organisiert und untersucht in regelmäßigen Abständen, wie gut 15-Jährige in verschiedenen Bildungssystemen zentrale Kompetenzen anwenden können.
Getestet werden drei Bereiche:
- Lesekompetenz
- Mathematische Kompetenz
- Naturwissenschaftliche Kompetenz
Es geht dabei nicht primär um auswendig gelerntes Schulwissen. PISA fragt vielmehr: Können Jugendliche Informationen verstehen, längere Texte bewerten, Daten einordnen und Probleme in lebensnahen Situationen lösen?
Das macht die Studie relevant für Schule, Ausbildung, Beruf, gesellschaftliche Teilhabe und Demokratie. Wer komplexe Texte nicht sicher versteht, wird Schwierigkeiten haben, Verträge, Nachrichten, Bewerbungen, politische Aussagen oder KI-generierte Inhalte kritisch einzuordnen.
PISA 2025: Die Ergebnisse für Deutschland
Deutschland erzielt 2025 folgende Durchschnittswerte:
| Kompetenzbereich | Deutschland | OECD-Durchschnitt | Einordnung |
| Mathematik | 464 Punkte | 463 Punkte | Praktisch OECD-Mittel |
| Lesen | 465 Punkte | 461 Punkte | Knapp über OECD-Mittel |
| Naturwissenschaften | 486 Punkte | 482 Punkte | Knapp über OECD-Mittel |
In allen drei Bereichen handelt es sich für Deutschland um die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Erhebungen. Damit liegt Deutschland nicht am Ende des internationalen Feldes – aber nur noch ungefähr im OECD-Durchschnitt.
Das ist die zentrale Einordnung: Deutschland ist nicht das Schlusslicht. Aber Deutschland ist auch nicht mehr der Bildungsstandort, der seinem eigenen Anspruch gerecht wird.
Gerade für ein rohstoffarmes Land, dessen Wohlstand auf Wissen, Innovationskraft, Ausbildung und qualifizierten Fachkräften beruht, ist das keine Randnotiz.
Werden auch andere Länder schlechter?
Ja. Und dieser Punkt ist wichtig, um die Debatte ehrlich zu führen.
Die PISA-Ergebnisse sind in vielen OECD-Ländern zurückgegangen. Besonders deutlich war der Einbruch zwischen 2018 und 2022: Im OECD-Durchschnitt sanken die Werte im Lesen ungefähr um zehn Punkte und in Mathematik um fast 15 Punkte.
Deutschland ist also nicht allein betroffen.
Aber: Deutschland darf sich nicht hinter diesem internationalen Trend verstecken. Zwischen 2018 und 2022 verlor Deutschland in Mathematik 25 Punkte und im Lesen 18 Punkte – stärker als der OECD-Durchschnitt. Auch von 2022 auf 2025 gingen die deutschen Werte erneut zurück.
Die Pandemie hat Lernlücken, Belastungen und Ungleichheiten sicherlich verstärkt. Sie ist jedoch nicht die einzige Erklärung. Viele Entwicklungen – sinkende Lesepraxis, zunehmende soziale Unterschiede, ein angespanntes Bildungssystem und digitale Ablenkung – waren bereits vorher sichtbar.
Lesen ist mehr als Deutschunterricht
In der öffentlichen Debatte wird häufig über Mathematik gesprochen. Mindestens genauso entscheidend ist jedoch die Lesekompetenz.
Lesen ist die Grundlage dafür, dass Jugendliche:
- Aufgabenstellungen korrekt verstehen
- Informationen prüfen und Quellen bewerten
- komplexe Zusammenhänge erfassen
- politische und gesellschaftliche Inhalte einordnen
- Bewerbungen, Verträge und Fachtexte verstehen
- KI-Antworten kritisch hinterfragen können
Wer nicht sicher lesen kann, hat nicht nur im Deutschunterricht Nachteile. Die Folgen zeigen sich in Mathematik, Naturwissenschaften, Ausbildung, Studium, Beruf und Alltag.
In Zeiten künstlicher Intelligenz wird diese Fähigkeit sogar wichtiger. KI kann Texte erzeugen, Antworten formulieren und Informationen verdichten. Aber sie kann nicht für uns beurteilen, ob eine Aussage plausibel, vollständig, manipulativ oder schlicht falsch ist. Dafür braucht es Lesekompetenz, Sprachgefühl und kritisches Denken.
Smartphone, Social Media und die Aufmerksamkeitsspanne
Es wäre unseriös zu behaupten, Social Media allein verursache schlechte PISA-Ergebnisse. Bildung ist komplexer als eine einzelne Ursache.
Trotzdem müssen wir über Smartphone-Nutzung, digitale Ablenkung und veränderte Mediengewohnheiten sprechen.
Smartphones bieten Chancen: Recherche, kreative Produktion, Kommunikation, Lernapps und Zugang zu Wissen. Entscheidend ist jedoch, wann, wie lange und wofür sie genutzt werden.
Die Realität vieler junger Menschen ist geprägt von:
- Push-Nachrichten und permanenten Unterbrechungen
- kurzen Videos statt längerer Texte
- Scrollen statt vertieftem Lesen
- sozialem Vergleich und FOMO
- Messenger-Kommunikation rund um die Uhr
- spätem Medienkonsum und schlechterem Schlaf
Längere Texte zu lesen verlangt Konzentration und Ausdauer. Das sind Fähigkeiten, die trainiert werden müssen. Wer permanent zwischen kurzen Reizen, Videos und Benachrichtigungen wechselt, übt etwas anderes als konzentriertes Arbeiten.
Eine ehrliche Frage lautet daher: Wann lesen Jugendliche – und wann lesen Erwachsene – heute noch zwanzig Minuten lang ohne Unterbrechung einen längeren Text?
PISA-Auswertungen zeigen zudem, dass Schülerinnen und Schüler, die sich durch digitale Geräte im Unterricht abgelenkt fühlen, häufiger von schlechteren Lernbedingungen berichten. Das betrifft nicht nur das eigene Smartphone. Auch die Ablenkung durch andere Schülerinnen und Schüler kann eine ganze Lerngruppe beeinträchtigen.
Die Konsequenz sollte nicht sein, Digitalisierung aus Schulen zu verbannen. Sie sollte aber auch nicht lauten: Tablets verteilen und hoffen, dass damit Bildung moderner wird.
Digitale Geräte brauchen einen klaren pädagogischen Zweck, klare Regeln und Lernphasen, in denen Aufmerksamkeit geschützt wird.
Lehrkräftemangel: Wenn individuelle Förderung zur Ausnahme wird
PISA-Ergebnisse entstehen nicht nur durch das, was Jugendliche tun oder lassen. Sie hängen auch davon ab, wie Schule organisiert ist und welche Ressourcen dort verfügbar sind.
Der Lehrkräftemangel wird dabei zu einer der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre. Nach der Modellrechnung der Kultusministerkonferenz stehen einem Einstellungsbedarf von rund 356.000 voll ausgebildeten Lehrkräften für die Jahre 2025 bis 2035 nur rund 329.000 Neuabsolvierende gegenüber. Rechnerisch ergibt sich daraus eine Lücke von etwa 27.000 Lehrkräften.
Diese Zahlen sagen nicht, dass überall und in jeder Schulform die Lage identisch ist. Sie unterscheiden sich je nach Bundesland, Region, Schulart und Fach. Aber die Richtung ist klar: Das System bleibt unter Druck.
Die möglichen Folgen sind im Alltag sichtbar:
- mehr Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht
- mehr fachfremder Unterricht
- größere Belastung für Lehrkräfte
- weniger Zeit für einzelne Schülerinnen und Schüler
- weniger Diagnostik und Förderung
- weniger Beziehungsarbeit
- weniger Unterstützung bei Sprache, Lernrückständen oder psychosozialen Problemen
Dabei erwarten wir von Schulen gleichzeitig immer mehr: Inklusion, Integration, Sprachförderung, Medienbildung, Ganztag, Berufsorientierung, Prävention und Unterstützung bei mentaler Gesundheit.
Das funktioniert nicht dauerhaft mit weniger Zeit, weniger Fachpersonal und wachsender Bürokratie.
Ein Tablet kann eine Lehrkraft unterstützen. Es ersetzt aber keine Beziehung, keine Rückmeldung und keine individuelle Förderung.
Soziale Ungleichheit bleibt ein Bildungsproblem
Nicht alle Jugendlichen starten mit denselben Voraussetzungen.
Bildungserfolg hängt weiterhin stark davon ab, ob ein Kind oder Jugendlicher zu Hause ausreichend Unterstützung, Zeit, Ruhe und Ressourcen hat. Dazu gehören unter anderem:
- Sprachkompetenz und Bildungserfahrungen im Elternhaus
- ein ruhiger Platz zum Lernen
- Zugang zu Büchern und Lernmaterialien
- finanzielle Möglichkeiten für Nachhilfe oder Freizeitangebote
- Zeit und Unterstützung durch Erwachsene
- ein stabiles soziales Umfeld
Viele Familien leisten enorm viel. Gleichzeitig können Eltern nicht alle strukturellen Unterschiede allein ausgleichen.
Wenn Nachhilfe, Sportvereine, Musikunterricht, technische Ausstattung oder individuelle Förderung zunehmend davon abhängen, was sich Familien leisten können, öffnet sich die Bildungsschere weiter. Diejenigen, die Unterstützung am dringendsten bräuchten, erhalten sie dann oft am wenigsten.
Deshalb beginnt Bildungspolitik nicht erst in der zehnten Klasse. Sie beginnt in der frühen Sprachförderung, in der Kita, in der Grundschule und in gut ausgestatteten Ganztagsangeboten.
Was erfolgreiche Bildungssysteme anders machen
Einfach einzelne Modelle aus Estland, Kanada oder der Schweiz zu kopieren, wäre naiv. Länder unterscheiden sich in Kultur, Bevölkerungsstruktur, Finanzierung, Schulorganisation und gesellschaftlichen Erwartungen.
Trotzdem können wir lernen.
Estland zeigt, dass digitale Bildung funktionieren kann, wenn sie systematisch umgesetzt wird: mit klarer Infrastruktur, Lehrkräftefortbildung, hoher Grundbildung und einer Strategie, die Technologie als Lernwerkzeug nutzt – nicht als Selbstzweck.
Kanada wird oft für seinen stärkeren Fokus auf Chancengerechtigkeit und die Unterstützung unterschiedlicher Lerngruppen genannt. Bildung wird dort stärker als gemeinsamer gesellschaftlicher Auftrag verstanden.
Die Schweiz zeigt, wie wertvoll eine starke berufliche Bildung sein kann. Eine Ausbildung ist dort nicht bloß ein Plan B, sondern für viele junge Menschen ein anerkannter, attraktiver und erfolgreicher Weg.
Die gemeinsame Lehre lautet nicht: Wir brauchen mehr Druck. Sie lautet: Wir brauchen verlässliche Qualität, gute Lehrkräfte, frühe Unterstützung, klare Standards und Bildungswege, die nicht nur für eine kleine privilegierte Gruppe funktionieren.
PISA ist kein Weltuntergang. Aber die Ergebnisse sind ein Auftrag.
Nicht an „die Jugend“. An uns Erwachsene.
1. Lesen wieder zur Priorität machen
Kinder und Jugendliche brauchen regelmäßige Zeiten für vertieftes Lesen. Nicht nur Arbeitsblätter, nicht nur Zusammenfassungen, nicht nur kurze Social-Media-Texte.
Lesen braucht Übung, Diskussion, Freude und Vorbilder. Eltern können sichtbar lesen, über Texte sprechen und Bücher selbstverständlich zum Alltag gehören lassen. Schulen brauchen feste Lesezeiten und Konzepte, die Lesekompetenz in allen Fächern fördern.
Handyfreie Lernphasen sind keine rückwärtsgewandte Strafe. Sie können ein Schutzraum für Konzentration sein.
Das bedeutet nicht, digitale Medien zu verteufeln. Es bedeutet, zwischen Lernnutzung und Ablenkung zu unterscheiden. Medienkompetenz ohne Grenzen bleibt naiv. Grenzen ohne Medienkompetenz bleiben unzureichend.
3. Lehrkräfte gewinnen und entlasten
Wer individuelle Förderung fordert, muss Personal bereitstellen. Lehrkräfte brauchen gute Ausbildung, attraktive Arbeitsbedingungen, weniger unnötige Bürokratie und multiprofessionelle Unterstützung durch Schulsozialarbeit, Psychologie und Lernbegleitung.
4. Früh fördern statt spät aussortieren
Sprachbildung, Leseförderung, Diagnostik und Unterstützung müssen früh beginnen. Es ist teuer und belastend, Probleme erst dann zu behandeln, wenn junge Menschen bereits den Anschluss verloren haben.
5. Bildungschancen gerechter machen
Förderangebote, Ganztag, Beratung und Lernunterstützung müssen auch die erreichen, die sie nicht privat finanzieren können. Herkunft darf nicht darüber entscheiden, ob ein Kind sein Potenzial entfalten kann.
6. Ausbildung endlich aufwerten
Nicht jeder erfolgreiche Bildungsweg führt über Abitur und Universität. Deutschland braucht starke akademische Bildung und eine starke berufliche Bildung. Jugendliche brauchen Orientierung, reale Einblicke und die Freiheit, den Weg zu wählen, der zu ihren Fähigkeiten und Interessen passt.
Fazit: PISA ist ein Spiegel für die Erwachsenen
Die PISA-Studie 2025 zeigt: Deutschlands Bildungssystem steht unter erheblichem Druck. Die Werte sind ernst, besonders beim Lesen. Zugleich wäre es falsch, daraus eine Anklage gegen junge Menschen zu machen.
Junge Menschen wachsen in einer Welt auf, die schneller, lauter, digitaler und vergleichbarer geworden ist. Sie erleben Leistungsdruck, vielfältige Möglichkeiten, soziale Unterschiede und ein Bildungssystem, das zunehmend mehr leisten soll, aber nicht immer die Ressourcen dafür erhält.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Warum ist die Jugend so schlecht geworden?“
Sie lautet: „Welche Bedingungen schaffen wir, damit junge Menschen gut lernen, lesen, denken, sich konzentrieren und an sich glauben können?“
Bildung ist nicht nur ein Schulthema. Sie ist die Grundlage für berufliche Chancen, gesellschaftliche Teilhabe, Demokratie, psychische Stabilität und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
PISA ist keine Krise der Jugend. PISA ist ein Realitätscheck für die Erwachsenen, die Bildung gestalten.
In der Solo-Folge von Generation Z Talk ordne ich die PISA-Ergebnisse ein und spreche über Lesen, Smartphone-Nutzung, Social Media, Lehrkräftemangel, soziale Ungleichheit und konkrete Lösungen.
Podcast-Folge anhören: PISA-Schock – Ist Deutschlands Jugend wirklich schlechter geworden?
Häufige Fragen zur PISA-Studie
PISA ist eine internationale OECD-Vergleichsstudie. Sie untersucht bei 15-Jährigen, wie gut sie Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften in lebensnahen Situationen anwenden können.
Wie hat Deutschland bei PISA 2025 abgeschnitten?
Deutschland erreichte 464 Punkte in Mathematik, 465 Punkte im Lesen und 486 Punkte in Naturwissenschaften. Das sind die niedrigsten deutschen Werte seit Beginn der PISA-Studien.
Liegt Deutschland bei PISA unter dem OECD-Durchschnitt?
Deutschland liegt 2025 in allen drei Bereichen knapp über beziehungsweise etwa auf dem OECD-Durchschnitt. Das Problem ist vor allem der langfristige Rückgang und die Tatsache, dass Deutschland damit nur noch Mittelmaß erreicht.
Sind Smartphones schuld an schlechten PISA-Ergebnissen?
Nein. Smartphone- und Social-Media-Nutzung sind nur ein Faktor unter vielen. Digitale Ablenkung, Schlaf, Lesepraxis und Aufmerksamkeit können Lernen beeinflussen. Ebenso wichtig sind Lehrkräftemangel, soziale Ungleichheit, Unterrichtsqualität und frühkindliche Förderung.
Was kann man gegen schwache PISA-Ergebnisse tun?
Wichtige Ansatzpunkte sind frühe Sprach- und Leseförderung, bessere Lernbedingungen, ausreichend Lehrkräfte, klare Regeln für digitale Geräte, mehr Chancengerechtigkeit, verlässliche Ganztagsangebote und eine stärkere Anerkennung beruflicher Bildungswege.

