Impulse von Felix Behm

Junge Menschen fühlen sich ignoriert – Warum reden Unternehmen nicht mit ihnen?

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Die Kommunikation zwischen Unternehmen und der jungen Generation ist entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit – sei es als Arbeitgeber oder in der Kundenbeziehung. Doch genau hier gibt es oft große Herausforderungen. Warum fühlen sich viele junge Menschen von Unternehmen nicht gehört? Und wie kann man das ändern? Hier sind die größten Stolpersteine:

1. Fehlende oder unzureichende Kommunikation

Viele Unternehmen kommunizieren kaum oder nur sehr wenig mit jungen Menschen. Laut einer Studie von U-Form 2024 geben 59 % aller Auszubildenden an, dass sie selten bis niemals ein ausführliches Feedbackgespräch mit ihrem Vorgesetzten erhalten. Ohne regelmäßige Rückmeldung fühlen sich junge Mitarbeitende nicht wertgeschätzt und verlieren schneller die Motivation.

2. Kommunikation auf der falschen Ebene

Wie kommunizieren wir eigentlich miteinander? Eine Führungskraft berichtete mir kürzlich:

„Ich habe meinen Mitarbeiter, der gerade frisch nach dem Studium hier angefangen hat, letztens angerufen und nicht erreicht. Kurze Zeit später schreibt er mir über WhatsApp zurück und fragt, warum ich ihm nicht gleich eine Sprachnachricht geschickt habe.“

Dieses Beispiel zeigt, dass unterschiedliche Generationen verschiedene Kommunikationspräferenzen haben. Die Generation Z, aufgewachsen mit digitalen Technologien, bevorzugt oft Instant Messaging oder Sprachnachrichten gegenüber traditionellen Telefonaten. Ohne klare Absprachen über die bevorzugten Kommunikationsmittel können leicht Missverständnisse entstehen.

3. Unterschiedliche Kommunikationszeiten

Seit Homeoffice, Remote Work und flexiblen Arbeitszeiten kommt es häufiger vor, dass Mitarbeiter zu völlig unterschiedlichen Zeiten erreichbar sind. Ein Beispiel: Morgens ruft der Chef an, doch der Mitarbeiter arbeitet erst ab Mittag. Abends ruft der Mitarbeiter zurück, doch der Chef hat längst Feierabend. Ergebnis? **Kommunikationschaos.**

Hier hilft nur eines: klare Absprachen zu Verfügbarkeiten und digitale Tools zur Koordination nutzen. Sonst entsteht Frust auf beiden Seiten.

4. Themen, über die wir sprechen

Wie beginnen wir eigentlich ein Gespräch? Small Talk ist ein wichtiger Bestandteil jeder Arbeitsbeziehung – doch oft sprechen Generationen aneinander vorbei.

„Hast du gestern auch in der Zeitung gelesen, dass…?“

Die Reaktion einer 20-Jährigen? Wahrscheinlich große Augen und die Frage: **„Welche Zeitung?“**

Junge Menschen informieren sich anders. Laut Postbank-Jugend-Digitalstudie verbringen sie bis zu 9 Stunden pro Tag am Bildschirm – vor allem auf TikTok, YouTube und Instagram. Nachrichten und Trends kommen nicht mehr aus der Tageszeitung oder den Abendnachrichten, sondern aus Social Media. Klassische Medien haben hier oft das Nachsehen.

5. Sprache und direkte Kommunikation

Junge Menschen nutzen eine andere Sprache als ältere Generationen – sowohl in Wortwahl als auch in Ausdrucksweise. Sie verwenden neue Begriffe, Emojis und oft verkürzte oder abgewandelte Grammatikformen. Für ältere Kollegen kann dies manchmal ungewohnt oder sogar irritierend wirken.

Ein weiterer Unterschied ist die direkte Kommunikation der Generation Z. Sie spricht Probleme oft offen und direkt an, ohne sich um Hierarchien oder diplomatische Umschreibungen zu kümmern. Ein Grund dafür ist die veränderte Machtverteilung auf dem Arbeitsmarkt: Da qualifizierte junge Fachkräfte sehr gefragt sind, können sie sich eine offene und fordernde Haltung erlauben. Sie hinterfragen Prozesse und Strukturen kritisch und möchten verstehen, warum Dinge auf eine bestimmte Weise ablaufen.

Diese direkte Art der Kommunikation kann für ältere Mitarbeitende und Führungskräfte zunächst unangenehm sein und als respektlos empfunden werden. Hier ist es wichtig, gegenseitiges Verständnis zu fördern: Die ältere Generation muss lernen, konstruktives Feedback von jungen Mitarbeitenden nicht als Angriff zu werten, während die jüngere Generation sensibilisiert werden sollte, dass ein gewisses Maß an Diplomatie und Fingerspitzengefühl im Berufsleben weiterhin wichtig ist.

Hinweis: Ich habe eine Seite zur Jugendsprache erstellt. Hier ist der LINK

6. Umgang mit digitalen Tools

Die Vielzahl digitaler Tools im Arbeitsalltag kann ebenfalls zu Konflikten führen. Während die Generation Z mit digitalen Kommunikationsmitteln aufgewachsen ist und diese selbstverständlich nutzt, fühlen sich ältere Generationen manchmal von der Fülle an Tools überfordert oder bevorzugen traditionelle Kommunikationswege. Dies kann zu Frustration auf beiden Seiten führen.

Unternehmen müssen ihre Kommunikationsstrategien anpassen

Wenn Unternehmen die junge Generation erreichen und erfolgreich mit ihr arbeiten möchten, müssen sie Kommunikation bewusst gestalten. Regelmäßiges Feedback, passende Kommunikationskanäle, klare Zeitabsprachen und ein Verständnis für neue Informationsquellen sind entscheidend. Zudem ist es wichtig, die unterschiedlichen Werte und Erwartungen der Generationen zu erkennen und zu respektieren, um ein harmonisches Arbeitsumfeld zu schaffen.


Durch die Berücksichtigung dieser Aspekte können Unternehmen die Kommunikation zwischen den Generationen verbessern und somit die Zusammenarbeit effektiver gestalten.

Mehr zum Thema Kommunikation in meinem Podcast

Eine aktuelle Folge zum Thema Kommunikation findest du in meinem Podcast „Generation Z Talk“ oder direkt hier zum anhören

Über den Autor Felix Behm

Speaker Generation Z

Felix Behm ist Keynote Speaker und führender Experte zum Thema Generation Z.

Er ist Autor der Bücher „Generation Z – Ganz anders als gedacht“ und „Generation Z begeistern und binden„.