Impulse von Felix Behm

Studiert – und trotzdem chancenlos: Warum so viele am Berufseinstieg scheitern

Studiert – und trotzdem chancenlos: Warum so viele am Berufseinstieg scheitern

„Warum hat mir das niemand vorher gesagt?“ – Diesen Satz höre ich in meinen Gesprächen mit jungen Menschen erschreckend oft. In dieser Solofolge meines Podcasts spreche ich offen darüber, warum so viele Absolvent:innen nach dem Studium chancenlos sind und keinen Einstieg finden – und was wir endlich anders machen müssen.

Studium = sichere Zukunft? Diese Gleichung geht leider nicht mehr auf.

Viele junge Menschen haben hart gearbeitet, Prüfungen geschrieben, Klausuren durchgeackert – und stehen dann da: mit einem Abschluss, aber ohne Job. Der häufigste Grund? Fehlende Berufserfahrung. Aber wie soll man Erfahrung sammeln, wenn einem niemand eine Chance gibt?

In der Realität beobachte ich drei zentrale Probleme:

  1. Unsichere wirtschaftliche Lage: Viele Unternehmen sind vorsichtiger geworden, streichen Juniorstellen oder automatisieren einfache Aufgaben.
  2. Technologische Entwicklung: KI und Tools wie ChatGPT ersetzen zunehmend Aufgaben, die früher Berufseinsteiger:innen übernommen haben.
  3. Studiengänge ohne Praxisbezug: Zu viele Studiengänge bereiten nicht ausreichend auf den echten Arbeitsmarkt vor. Es fehlt an praktischen Erfahrungen, Projekten, echten Aufgaben.

offene Bücher. Sind Berufseinsteiger trotz Studium chancenlos?
„Ich studiere halt BWL.“ – Und dann?

Ich begegne vielen Jugendlichen, die sich für ein Studium entscheiden, weil es „alle machen“ oder weil „die Lehrer das geraten haben“. Was oft fehlt, ist echte Orientierung: Was will ich? Was kann ich gut? Welche Alternativen gibt es?

Das führt dazu, dass viele Studierende in überfüllten Studiengängen landen – und nach dem Abschluss auf einem Arbeitsmarkt, der überfüllt ist, aber gleichzeitig in vielen anderen Bereichen händeringend sucht.

Was ich jungen Menschen stattdessen empfehle

Ich bin ein großer Fan dualer Wege – sei es ein duales Studium oder eine Ausbildung mit Perspektive. Viele wissen gar nicht, wie viele spannende und krisensichere Jobs es in diesen Bereichen gibt. Ob Pflege, Elektrotechnik, Handwerk oder Lehramt – hier werden junge Menschen gebraucht.

Und das Beste: In vielen dieser Berufe gibt es echte Entwicklungschancen, frühe Verantwortung und eine klare Zukunftsperspektive. Ich kenne zahlreiche Beispiele von jungen Menschen, die nach dem Studienabbruch eine Ausbildung gemacht haben – und heute mit Sinn, Verantwortung und Sicherheit arbeiten.

Studienabbruch = Versagen? Ganz im Gegenteil.

Ein Studienabbruch kann ein richtiger und mutiger Schritt sein. Viel entscheidender als das Durchziehen eines unpassenden Studiums ist für mich die Frage: Was passt wirklich zu dir? Was erfüllt dich? Wo kannst du deine Talente einbringen?


Meine Tipps für Berufseinsteiger:innen, um nicht chancenlos zu bleiben – aus der Praxis für die Praxis

In meinen Gesprächen mit jungen Menschen erlebe ich immer wieder: Viele fühlen sich unsicher, wenn es um den Berufseinstieg geht. Deshalb möchte ich hier ein paar ganz konkrete Empfehlungen mitgeben – Dinge, die ich selbst erlebt habe oder die ich immer wieder in der Praxis als hilfreich beobachte.

1. Praktika & Nebenjobs: Orientierung durch Erfahrung

Es gibt kaum etwas Wertvolleres als echte Einblicke in die Arbeitswelt. Ob ein Praktikum während des Studiums oder ein Nebenjob im Bereich deiner Interessen – je früher du in den beruflichen Alltag reinschnupperst, desto besser kannst du für dich herausfinden, was wirklich zu dir passt. Du sammelst nicht nur wertvolle Erfahrungen, sondern entwickelst auch ein besseres Gespür dafür, wie Arbeitsprozesse ablaufen, wie Teams funktionieren und was du selbst brauchst, um gut arbeiten zu können.

2. Mut zur Lücke: Unkonventionelle Wege gehen

Nicht jede Karriere muss geradlinig verlaufen – und das ist auch gut so. Ich beobachte häufig, dass junge Menschen sich stark unter Druck setzen, immer „das Richtige“ zu tun. Dabei kann es enorm bereichernd sein, auch mal eine „Lücke“ zuzulassen: ein Orientierungsjahr, ein Branchenwechsel, ein Studienabbruch mit Neuanfang. Statt dich nur auf das zu fokussieren, was auf dem Papier gut aussieht, frage dich lieber: Was macht dir Freude? Was willst du lernen? Wer den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen, fällt auf – im positiven Sinne.

3. Netzwerke aufbauen: Beziehungen sind der Schlüssel

Gerade zu Beginn der beruflichen Laufbahn ist dein Netzwerk oft entscheidender als dein Lebenslauf. Das heißt nicht, dass du ständig „netzwerken“ musst – aber such das Gespräch, sei interessiert, halte Kontakt zu Menschen, die dich inspirieren oder mit denen du beruflich zu tun hattest. Plattformen wie LinkedIn sind ideal, um dich sichtbar zu machen, Einblicke zu bekommen und neue Verbindungen zu knüpfen. Und ja: Es darf auch mal ein Post über deinen Weg, deine Zweifel oder deine Erfolge sein – das schafft Vertrauen und zeigt Persönlichkeit.

4. Neue Kompetenzen aufbauen: Sei neugierig und bleib lernbereit

Die Welt verändert sich rasant – und mit ihr die Anforderungen an uns alle. Besonders wertvoll ist es, wenn du dich früh mit digitalen Tools und neuen Arbeitsformen auseinandersetzt. Ob ChatGPT, KI-Anwendungen, Projektmanagement-Tools oder Designprogramme: Vieles kannst du dir heute selbst beibringen – und genau das zeigt auch Eigeninitiative. Auch über Projektarbeit im Studium, ehrenamtliches Engagement oder digitale Weiterbildungen kannst du Kompetenzen aufbauen, die dir im späteren Berufsleben echte Vorteile verschaffen.

Was Unternehmen jetzt verstehen sollten

Ich wünsche mir von Unternehmen mehr Offenheit und Mut, jungen Menschen eine Chance zu geben – auch wenn nicht jede Anforderung auf dem Papier erfüllt ist. Wer früh fördert, gewinnt langfristig loyale, engagierte Mitarbeitende.

Mein Fazit: Wir müssen umdenken – in Schule, Studium und Arbeitswelt

Der Berufseinstieg ist für viele junge Menschen heute ein echter Hürdenlauf. Und das muss nicht sein. Wenn wir Orientierung, Offenheit und praxisnahe Angebote schaffen, gewinnen alle: die jungen Menschen – und unsere Wirtschaft.

🎧 Die ganze Folge gibt’s ab sofort überall, wo es Podcasts gibt, oder direkt HIER.

Wenn du jemanden kennst, der gerade vor dem Berufseinstieg steht: Teil diese Folge gern weiter. Danke fürs Zuhören!

Über den Autor Felix Behm

Speaker Generation Z

Felix Behm ist Keynote Speaker und führender Experte zum Thema Generation Z.

Er ist Autor der Bücher „Generation Z – Ganz anders als gedacht“ und „Generation Z begeistern und binden„.