Was die Ö3 Jugendstudie wirklich über junge Menschen verrät
Kaum eine Generation wird derzeit so intensiv diskutiert wie die Generation Z. Sie gilt als sensibel, überfordert, politisch enttäuscht, gleichzeitig aber auch anspruchsvoll, selbstbewusst und werteorientiert. Zwischen Schlagzeilen, Social Media und Stammtischmeinungen geht dabei oft das Wichtigste verloren: die Perspektive der jungen Menschen selbst.
Genau hier setzt die Ö3 Jugendstudie 2025 an. In dieser groß angelegten Studie wurden rund 28.000 junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt – zu ihrem Leben, ihrer Zufriedenheit, ihren Ängsten, ihren Wünschen und ihren Erwartungen an Gesellschaft, Arbeit und Politik. Die Ergebnisse sind differenziert, teilweise überraschend und vor allem eines: Sie zeichnen ein deutlich realistischeres Bild der Generation Z als viele gängige Klischees.
In einer dreiteiligen Podcastreihe ordnet Felix Behm diese Zahlen ein, verbindet sie mit Erfahrungen aus Schule, Arbeitswelt und Politik und übersetzt sie für alle, die junge Menschen besser verstehen wollen.
Hohe Lebenszufriedenheit – trotz wachsender Unsicherheit
Ein zentrales Ergebnis der Ö3 Jugendstudie sorgt zunächst für Verwunderung:
86 % der befragten jungen Menschen geben an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein.
Das widerspricht dem oft gezeichneten Bild einer dauerhaft unzufriedenen oder orientierungslosen Generation. Die Generation Z erlebt ihr eigenes Leben mehrheitlich als stabil, gut und lebenswert. Freundschaften, Freizeit, persönliche Freiheiten und individuelle Möglichkeiten werden positiv bewertet.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein klarer Bruch zwischen persönlicher Gegenwart und gesellschaftlicher Zukunft. Denn:
- 80 % der Befragten fürchten sich vor einem Krieg
- nur rund 50 % der jungen Männer wären bereit, für ihr Land zu kämpfen
Diese Zahlen machen deutlich: Die Unsicherheit bezieht sich weniger auf das eigene Leben im Hier und Jetzt, sondern auf das, was kommt. Globale Krisen, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Instabilität werden sehr bewusst wahrgenommen – und emotional verarbeitet.
Sicherheit wird wieder zum zentralen Bedürfnis
Ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis zieht sich wie ein roter Faden durch alle Lebensbereiche. Junge Menschen wünschen sich:
- Stabilität
- klare Regeln
- verlässliche Rahmenbedingungen
Diese Sehnsucht nach Sicherheit ist keine Rückwärtsbewegung, sondern eine Reaktion auf eine Welt, die als zunehmend unberechenbar erlebt wird. Social Media verstärkt diesen Effekt zusätzlich: Kriege, Krisen und Katastrophen sind nicht mehr abstrakt, sondern permanent sichtbar – oft ungefiltert, emotional aufgeladen und in Echtzeit.
Während frühere Generationen Nachrichten eher dosiert konsumierten, erleben junge Menschen globale Ereignisse kontinuierlich. Das prägt Wahrnehmung, Ängste und Zukunftsbilder.
Smartphone & Social Media: überraschend selbstkritisch
Besonders bemerkenswert sind die Ergebnisse zum Thema digitale Medien. Die Generation Z gilt als „Digital Native“ – umso deutlicher fällt ihre Selbstreflexion aus:
- 50 % fordern mehr Medienbildung
- 44 % möchten ihre eigene Bildschirmzeit reduzieren
- 86 % wünschen sich ein höheres Mindestalter für Social Media
Diese Zahlen zeigen: Junge Menschen erkennen sehr genau, dass Social Media nicht nur verbindet, sondern auch belastet. Vergleichsdruck, Dauerverfügbarkeit, emotionale Überforderung und Informationsflut werden offen benannt.
Dabei geht es nicht um Verteufelung digitaler Medien. Vielmehr fordert die Generation Z:
- Schutz statt pauschaler Verbote
- Prävention statt Wegschauen
- Kompetenz statt Kontrolle
Medienbildung wird als notwendige Lebenskompetenz verstanden – nicht nur für Jugendliche, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Schule: gute Absicht, aber zu wenig Lebensnähe
Ein weiterer klarer Befund der Ö3 Jugendstudie betrifft das Bildungssystem.
Zwei Drittel der Befragten fühlen sich von der Schule nicht ausreichend auf das Leben vorbereitet.
Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen einzelne Lehrkräfte, sondern gegen Inhalte und Strukturen. Besonders häufig vermisst werden:
- Finanzbildung
- psychische Gesundheit
- gesunde Ernährung
- praktische Lebenskompetenzen
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz, Tutorials und jederzeit verfügbarem Wissen verliert reines Faktenlernen an Bedeutung. Die entscheidende Frage lautet für viele junge Menschen nicht mehr: Was muss ich wissen?
Sondern: Wie komme ich im Leben zurecht?
Arbeit & Beruf: Sinn, Sicherheit und Augenhöhe
Auch in der Arbeitswelt lassen sich klare Prioritäten erkennen. Besonders wichtig sind der Generation Z:
- ein sicherer Arbeitsplatz
- eine sinnvolle Tätigkeit
- Teamarbeit
- Arbeiten auf Augenhöhe
Leistung wird nicht abgelehnt – wohl aber dauerhafte Überlastung, ständige Erreichbarkeit und fehlende Wertschätzung. Arbeit soll Sinn ergeben, Entwicklung ermöglichen und in ein lebbares Leben passen.
Unternehmen, die klare Werte leben, menschlich führen und Stabilität bieten, werden deutlich attraktiver wahrgenommen als solche, die ausschließlich auf Druck und Kennzahlen setzen.
Familie: weniger modern, als viele denken
Ein hartnäckiges Klischee wird durch die Ö3 Jugendstudie klar widerlegt: das Bild der bindungsscheuen Generation Z.
- 72 % der jungen Menschen möchten heiraten
- zwei Drittel wünschen sich Kinder
Familie wird von vielen als emotionaler Anker gesehen – besonders in unsicheren Zeiten. Der Wunsch nach Zugehörigkeit, Stabilität und langfristigen Beziehungen ist stark ausgeprägt. Die Generation Z unterscheidet sich hier deutlich weniger von früheren Generationen, als oft angenommen wird.
Politik: interessiert, aber massiv enttäuscht
Politisches Interesse ist bei der Generation Z hoch:
- 77 % bezeichnen sich als politisch interessiert
Gleichzeitig fühlen sich nur:
- 22 % wirklich von der Politik vertreten
- 79 % misstrauen politischen Akteuren
Dieses Misstrauen richtet sich nicht gegen die Demokratie, sondern gegen ihre Umsetzung. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass politische Entscheidungen ihre Lebensrealität nicht ausreichend berücksichtigen. Themen wie Rente, Zukunftssicherung oder internationale Konflikte werden als ungerecht oder nicht generationengerecht wahrgenommen.
Das zentrale Gefühl lautet:
Die Politik redet über junge Menschen – aber nicht mit ihnen.
Fazit: Eine reflektierte Generation mit klaren Botschaften
Die Ö3 Jugendstudie 2025 zeigt eine Generation, die:
- mit ihrem Leben zufrieden ist
- gleichzeitig große Zukunftsängste hat
- Sicherheit und Stabilität sucht
- sehr reflektiert mit digitalen Medien umgeht
- Sinn und Augenhöhe in Arbeit und Bildung fordert
- politisch interessiert, aber enttäuscht ist
Die Generation Z ist weder faul noch orientierungslos. Sie ist aufmerksam, kritisch und sensibel für Widersprüche. Wer diese Signale ernst nimmt, kann Brücken bauen – zwischen Generationen, Institutionen und Zukunftsvorstellungen.
🎧 Die drei Podcastfolgen zur Ö3 Jugendstudie 2025
👉 Teil 1: Lebenszufriedenheit, Sicherheit & Smartphone


