Impulse von Felix Behm

Einfach machen: Warum Deutschland mehr Gründergeist braucht

Samuel Keitel x Felix Behm

Deutschland steht wirtschaftlich unter Druck. Fachkräftemangel, Bürokratie, schwache Infrastruktur, schleppende Digitalisierung. Gleichzeitig gibt es eine Generation junger Menschen, die bereit ist, anzupacken.

Einer davon ist Samuel. Mit 23 Jahren organisiert er den Zukunftsvision Summit – einen Mittelstandsgipfel mit über 800 Teilnehmenden, hochrangigen Unternehmern, Investoren und Politikern  .

Doch sein Weg begann nicht mit Erfolg – sondern mit Scheitern.


Mit 17 gegründet, mit 19 gescheitert

Sein erstes Startup gründete Samuel mit 17. Eine Plattform für regionale Produkte. Die Vision: Direktvermarkter bündeln, Lieferketten verkürzen, regionale Wirtschaft stärken.

Mit 19 war das Unternehmen gescheitert.

Und genau das ist ein entscheidender Punkt:

In Deutschland wird Scheitern oft als Makel gesehen. Nicht als Lernphase.

Samuel beschreibt es als seine größte Stärke, wieder aufgestanden zu sein. Sich nicht von der gesellschaftlichen Haltung „Du bist gescheitert, also bist du gescheitert“ erdrücken zu lassen.

Diese Haltung unterscheidet Macher von Kritikern.


Zukunftsmacher: Generationen zusammenbringen

Aus dieser Mentalität heraus entstand die Initiative „Zukunftsmacher“.

Die Idee ist simpel – und gleichzeitig radikal:

Deutschland braucht keine Generationenkämpfe, sondern Generationenzusammenarbeit.

Beim Zukunftsvision Summit treffen:

  • Mittelständische Entscheider
  • Startups
  • Investoren
  • Politiker
  • Young Professionals

aufeinander.

Das Motto: Tradition trifft Innovation.

Nicht Belehrung.

Nicht Schuldzuweisung.

Sondern Austausch auf Augenhöhe.


Der Mittelstand ist besser als sein Ruf

Ein großes Missverständnis laut Samuel:

Der Mittelstand sei rückständig und nicht digital.

Er widerspricht klar.

Viele mittelständische Unternehmen treiben Innovation voran – nur kommunizieren sie es nicht nach außen.

Ein zentrales Thema:

Personal Branding von Geschäftsführern.

In einer digitalen Welt reicht es nicht mehr, ein gutes Produkt zu haben. Man braucht Sichtbarkeit. Storytelling. Präsenz.

Hier können jüngere Generationen Impulse setzen – ohne belehrend aufzutreten.


Zu wenig Gründer in Deutschland?

Deutschland hat zwar zuletzt wieder steigende Gründungszahlen verzeichnet – doch gemessen an der Bevölkerungszahl bleibt das Niveau niedrig  .

Samuel sieht mehrere Probleme:

  • Hohe Bürokratie
  • Steuerbelastung
  • Komplexe Rahmenbedingungen
  • Kapitalzugang schwieriger als in den USA

Viele Gründer denken über Auswanderung nach.

Und dennoch bleibt er.

Warum?

Weil er an das Potenzial dieses Landes glaubt.


Social Media: Segen und Fluch für Gründer

Ein spannender Punkt im Gespräch: Sollte Social Media unter 16 verboten werden?

Die Diskussion um ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige wird aktuell politisch wie gesellschaftlich intensiv geführt. Auch im Gespräch mit Samuel kommt dieses Thema auf – und seine Antwort ist alles andere als schwarz-weiß.

Er sieht es ambivalent.

Auf der einen Seite steht die Realität digitaler Plattformen:

Social Media bedeutet für viele junge Menschen eine permanente Reizüberflutung.

Endloser Content.

Dauerhafte Vergleichsmöglichkeiten.

Algorithmen, die Aufmerksamkeit belohnen – nicht Substanz.

Gerade für junge Gründerinnen und Gründer kann das problematisch sein. Denn Plattformen zeigen oft eine stark verzerrte Realität:

  • scheinbar müheloser Erfolg
  • schnelle Skalierung
  • Lifestyle mit Laptop am Strand
  • „In 6 Monaten zur Million“-Versprechen

Was selten gezeigt wird:

  • jahrelange Vorarbeit
  • gescheiterte Projekte
  • finanzielle Unsicherheit
  • psychische Belastung
  • 14-Stunden-Tage ohne Garantie auf Erfolg

Diese Diskrepanz kann Erwartungen verschieben. Wer mit 15 oder 16 täglich sieht, wie andere scheinbar mühelos erfolgreich werden, entwickelt ein verzerrtes Bild von Unternehmertum – und im schlimmsten Fall Frustration, wenn die eigene Realität nicht mithalten kann.

Hinzu kommt die verkürzte Aufmerksamkeitsspanne.

Gründen bedeutet Fokus, Durchhaltevermögen, monotone Phasen.

Der Social-Media-Feed hingegen trainiert schnelle Dopamin-Reize.

Diese beiden Welten stehen in einem Spannungsverhältnis.


Auf der anderen Seite wäre es jedoch zu kurz gedacht, Social Media nur als Risiko zu sehen.

Für viele junge Menschen ist es auch:

  • Inspirationsquelle
  • niedrigschwelliger Zugang zu Wissen
  • Vernetzungsplattform
  • Bühne für eigene Ideen

Noch nie war es so einfach, sich Vorbilder zu suchen, Kontakt zu Unternehmern aufzunehmen oder Geschäftsmodelle zu verstehen.

Ein 15-Jähriger kann heute in wenigen Stunden mehr über Marketing lernen als früher in mehreren Semestern – wenn er gezielt konsumiert.

Social Media demokratisiert Sichtbarkeit.

Man braucht kein großes Netzwerk, keine klassische Medienpräsenz. Man braucht eine Idee – und die Bereitschaft, sie zu zeigen.


Deshalb liegt die Wahrheit – wie so oft – dazwischen.

Ein pauschales Verbot würde Risiken reduzieren, aber auch Chancen abschneiden.

Viel entscheidender ist die Frage:

Wie lernen junge Menschen, bewusst mit diesen Plattformen umzugehen?

Denn Gründen ist kein Lifestyle.

Es ist kein „Ich poste meine Morgenroutine und werde reich“.

Gründen bedeutet:

  • Unsicherheit
  • finanzielle Risiken
  • Rückschläge
  • Selbstzweifel
  • extreme Eigenverantwortung

Es ist eine Achterbahnfahrt – mental wie wirtschaftlich.

Und genau diese Achterbahn wird auf Social Media häufig ausgeblendet.

Gezeigt werden Ergebnisse.

Nicht der Weg.

Gezeigt wird Skalierung.

Nicht die schlaflosen Nächte.

Gezeigt wird Freiheit.

Nicht die Verantwortung.

Deshalb braucht es Aufklärung statt Idealisierung.

Realismus statt Inszenierung.

Wenn junge Menschen Social Media als Werkzeug begreifen – nicht als Maßstab für Selbstwert oder Erfolg – kann es ein kraftvoller Hebel sein.

Wenn es jedoch zur Dauerablenkung oder zur verzerrten Erwartungshaltung wird, wird es zur Belastung.

Die eigentliche Herausforderung liegt also weniger im „Verbot oder nicht“, sondern in der Kompetenz, mit digitalen Realitäten souverän umzugehen.

Und das gilt nicht nur für Gründer.


Senior Connect: Erfahrung wieder wertschätzen

Neben Zukunftsmacher ist Senior Connect sein Business.

Die Plattform bringt erfahrene Fach- und Führungskräfte wieder in den Arbeitsmarkt.

Hintergrund:

Aktuell verlieren viele Akademiker und Führungskräfte ihren Job.

Senior Connect bietet:

  • Matching mit Unternehmen
  • KI-gestützte Interviewtrainings
  • Coaching
  • Upskilling

Über 15.000 Nutzer sind bereits registriert  .

Eine klare Botschaft:

Erfahrung ist kein Auslaufmodell.


Die Zukunft des Arbeitsmarkts

Samuel sieht mehrere Entwicklungen:

  • Mehr Selbstständigkeit
  • KI-gestützte Arbeitsmodelle
  • Wissenstransfer zwischen Generationen
  • Re-Skilling als Dauerzustand

„Wir müssen uns alle recyceln“, sagt er.

Ein starker Satz.

Lebenslanges Lernen ist keine Floskel mehr – es ist Überlebensstrategie.


Der Schlusssatz

Zum Ende des Gesprächs sagt er:

„Doing nothing has never been a fortress – it has always been a prison.“

Nichtstun schützt nicht.

Nichtstun sperrt ein.

Und deshalb sein einfachster Rat:

Einfach machen.


Fazit

Deutschland steht an einem Wendepunkt.

Politik allein wird es nicht richten.

Unternehmer allein auch nicht.

Es braucht:

  • Mut
  • Generationenzusammenarbeit
  • Offenheit
  • Gründergeist

Und Menschen, die bereit sind, anzupacken.

Die weiterführenden Links zu Samuel Keitel:

Zukunftsmacher / Zukunftsvision Summit: 👉 https://zukunfts-macher.de

Senior Connect: 👉 https://www.senior-connect.de/de

Und HIER geht es zur Podcastfolge!

Über den Autor Felix Behm

Speaker Generation Z

Felix Behm ist Keynote Speaker und führender Experte zum Thema Generation Z.

Er ist Autor der Bücher „Generation Z – Ganz anders als gedacht“ und „Generation Z begeistern und binden„.